• Diego Wyllie

Moderne Business-Intelligence-Lösungen im Vergleich

Von Business Intelligence können längst nicht nur Großunternehmen profitieren. In der Cloud gibt es einfache und gleichzeitig leistungsfähige Lösungen, sie speziell für Startups und KMU konzipiert sind. Mit Cyfe, Geckoboard, Datapine, Bime und Klipfolio haben wir fünf anspruchsvolle Alternativen für Einsteiger und Profils genau unter die Lupe genommen.

Business-Software wird immer einfacher und intuitiver, der Bereich Business Intelligence ist keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil. Wer immer noch glaubt, bei BI-Lösungen handele es sich um komplexe und teure Systeme, von denen nur Großunternehmen mit massiven Datenmengen, großem Know-How und einer leistungsstarken Server-Infrastruktur profitieren können, täuscht sich. Mit dem Siegeszug von Cloud Computing sind BI-Systeme in den letzten Jahren immer einfacher, leistungsfähiger und günstiger geworden. So können heute selbst Kleinunternehmen für weniger als 50 Euro im Monat und ohne spezielle IT-Hardware oder Software-Installationen in die Welt der professionellen Datenanalyse einsteigen.


Datenanalyse für Jedermann

Zuverlässige Geschäftsdaten spielen in jedem Unternehmen eine kritische Rolle. Sie dienen als fundierte Basis, um potentielle Risiken und Chancen frühzeitig zu erkennen, den Erfolg von Initiativen zu beurteilen, Optimierungsbedarf aufzudecken und entsprechende Maßnahmen rechtzeitig einzuleiten. Dabei spielt die Unternehmensgröße keine Rolle. Doch während kleinere Firmen traditionell mit Excel oder einfachen Office-Programmen arbeiteten, um aus ihren Daten wichtige Einblicke in ihr Geschäft zu gewinnen, setzten Großunternehmen auf spezielle In-House-Lösungen. Die Bereitstellung von Datenanalysen lag dabei im Aufgabenbereich der IT-Abteilung, da nur sie über das technische Know-How verfügte, um komplexe Datenbankabfragen auszuführen und die Ergebnisse in einem effizienten Format zu präsentieren.

Cyfe bietet Business Intelligence für Jedermann.


Cyfe, Geckoboard, Datapine, Bime and Klipfolio

Die Angebotspalette ist inzwischen recht breit gefächert. Sowohl etablierte Enterprise-Anbieter wie Tableau Software, Pentaho oder Qlik als auch junge Startups stellen Online-Dienste bereit, die nach dem Self-Service-Prinzip arbeiten und sämtliche Prozesse rund um Integration, Bearbeitung, Visualisierung, Auswertung und Teilen von Geschäftsdaten optimal abdecken. Hierzu zählen zum Beispiel Cyfe aus den USA, Geckoboard aus Großbritannien, Datapine aus Berlin, Bime aus Frankreich und Klipfolio aus Kanada. Abgesehen von Klipfolio, das bereits im Jahr 2001 gegründet wurde, sind alle Unternehmen zwischen 2009 und 2012 gestartet. Sie werden alle in der Cloud als SaaS angeboten und sind auf eine möglichst einfache und intuitive Bedienung ausgerichtet. In Sachen Interface Design und Usability können sie den Vergleich mit Consumer-Apps problemlos standhalten. Eine weitere Gemeinsamkeit: Sie wenden sich nicht nur an IT-Experten und Entwickler, sondern auch direkt an Manager beziehungsweise Fachbereichsleiter, die nicht unbedingt über technische Vorkenntnisse verfügen. Mithilfe intuitiver Werkzeuge rundum Datenintegration, -Manipulation und -Analyse werden sie in die Lage versetzt, eigenständig selbst große Datenmengen aus verschiedenen Quellen effizient zu analysieren und die Ergebnisse in professionellen Dashboards zu visualisieren.

Was die Kosten angeht: Die monatlichen Preise bewegen sich zwischen rund 20 Euro im Monat (Cyfe) und etwa 600 Euro im Monat (Bime). Klipfolio, Datapine und Bime bieten einen kostenlosen Testzeitraum von 14 Tagen, Geckoboard von einem Monat. Cyfe lässt sich in einer funktionell eingeschränkten Version zeitlich unbegrenzt testen. In puncto Funktionalität gibt es auf dem ersten Blick keine so großen Unterschiede zwischen den einzelnen Tools. Alle bieten die Möglichkeit an, statische Dateien zu importieren, externe Datenquellen anzubinden, individuelle Dashboards mit verschiedenen Charts und Diagrammen zu erstellen und diese auf einfache Weise mit Kollegen zu teilen. Doch wie wir gleich sehen werden ist in der Praxis trotz der vielen Gemeinsamkeiten nicht jede Lösung für jedes Geschäftsszenario geeignet.


Datenquellen

Entscheidend bei der Auswahl der richtigen BI-Lösung ist zunächst die Frage, was für Daten man eigentlich analysieren möchte, wo sie liegen und wie sie in das System integrieret werden sollen. Von einfachen Dateien in Standardformaten wie CSV, Excel oder XML, über Datenbanksysteme wie MySQL oder PostgreSQL, bis hin zu Online-Diensten, Business-Apps und sogar komplexen Big-Data-Anwendungen: Die getesteten Produkte bieten Unterstützung für die unterschiedlichsten Datenquellen und Integrationen. Jeder muss hier also im Einzelfall überprüfen, ob seine Datenquellen von den jeweiligen Herstellern angeboten werden.

Statische Dateien bieten einen einfachen Einstieg, da viele Anwender bereits ihre Daten in Excel haben. Interessanter wird es aber, wenn Daten in Echtzeit im BI-System visualisiert werden können. Hierfür kann man Datenbanksysteme oder Online-Dienste anbinden. Statische Dateien werden von allen getesteten Anwendungen unterstützt, Datenbanksysteme von allen außer Geckoboard. Die Lösung aus England, so wie Cyfe auch, fokussiert sich auf die einfache Integration von Online-Services wie Salesforce, Google Analytics oder Zendesk, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Klipfolio lässt sich sogar mit über 100 verschiedenen Services integrieren. Der Vorteil bei der Integration eines Online-Dienstes liegt vor allem darin, dass Daten automatisch in regelmäßigen Abständen abgeholt und in einer passenden Visualisierung präsentiert werden.


Echtzeitdaten aus Datenbanken, Online Services und APIs

When it comes to integrating online services, Datapine only supports Facebook Ads and Google Analytics. Rather, the manufacturer focuses on comprehensive database integration. The system supports MySQL, Oracle, PostgreSQL and Microsoft SQL and enables cross-database analysis. This means that CMS, e-commerce or CRM systems, which are usually based on such a relational database system, can easily be used as a data source. And best of all, no SQL knowledge is required to create database queries.

Bime bietet Unterstützung für Big-Data-Anwendungen wie Amazon Redshift und SAP Hana.

Das Highend-Produkt Bime – inzwischen durch den börsennotierten Help-Desk-Anbieter Zendesk übernommen worden – bietet nicht nur eine umfassende Unterstützung für statische Dateien, Datenbanksysteme und viele Online-Dienste, sondern auch für Big-Data-Anwendungen wie Amazon Redshift oder SAP Hana. Ferner punktet das Produkt mit weiterführenden Werkzeugen, mit denen sich Daten interaktiv manipulieren lassen. Ein weiteres Feature, das für Profis in Frage kommt und abgesehen von Datapine alle Tools in petto haben, ist eine offene Push-API. Diese können Entwickler nutzen, um Daten aus einem eigenen System automatisiert in den BI-Dienst zu importieren.


Data Discovery

Sind einmal die auszuwertenden Daten in das System importiert beziehungsweise über Online-Dienste oder APIs integriert worden, müssen sie mit den richtigen Tools visualisiert werden. Hier spielt BI-Software ihre wirkliche Stärke aus. Klipfolio, Datapine und Bime sorgen mit fortgeschrittenen Datenmanipulationswerkzeugen für mehr Flexibilität bei der Erstellung von Visualisierungen. Mithilfe eines interaktiven Editors kann der User seine Datenmengen nach Belieben manipulieren, einzelne Werte auswählen, verschiedene Filter anwenden und in verschiedenen Charts und Diagrammen visualisieren.

Klipfolio lässt sich mit über 100 verschiedenen Online-Services integrieren.

Cyfe und Geckoboard verfügen dagegen über keine Tools für interaktive Datenabfragen. Das heißt, dass man seine Daten vor dem Import in einem durch den Anbieter vorgegebenen Format bereitstellen muss, nur so lassen sie sich dann korrekt visualisieren. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die korrekte Formatierung vom gewählten Visualisierungstyp abhängt. Möchte man also zum Beispiel ein Balkendiagramm in Geckoboard oder Cyfe erstellen, so muss man seine CSV-Dateien beziehungsweise Datenbank- oder API-Anfragen anders formatieren als bei der Erstellung eines Tortendiagramms.


KPI-Dashboards im Browser erstellen

Wenn es um die Datenvisualisierung geht, haben Anwender bei allen getesteten Tools die Qual der Wahl. Von üblichen Balken-, Linien-, Torten- oder Flächendiagrammen, über einfache Texte und Zahlen bis hin zu Tabellen, Listen und Karten stellen die Hersteller für jede Art von Daten die passende Visualisierung bereit. Dabei bieten Klipfolio und Bime mit jeweils über 25 Visualisierungsformen die größte Auswahl.

Geckoboard überzeugt durch ein modernes, benutzerfreundliches Userinterface.

Einzelne Charts und Diagramme, häufig “Widgets” genannt, lassen sich in Dashboards zusammenbringen. Und genau das ist eine der Schlüßelfunktionen moderner BI-Lösungen. Egal ob Social Media Monitoring, Marketing Analytics oder umfassende für das Sales- oder Kundensupport-Team: Der Anwender kann sich sein KPI-Dashboard nach eigenen Bedürfnissen selbst nach dem Baukastenprinzip zusammenbauen. Dabei gilt die Devise: Je interaktiver, umso besser. Charts, die sich je nach gewünschter Information verändern lassen, bilden Vorgänge im Unternehmen effektiver ab. Zudem lassen sich aus einer interaktiven Visualisierung häufig neue Erkenntnisse ziehen, die eine statische Grafik nicht liefern kann. Darum werden analytische Interaktionswerkzeuge, wie sie von Datapine, Klipfolio und Bime angeboten werden, zu einem weiteren wichtigen Auswahlkriterium.


Einfaches Sharing

Auch die einfache Zugänglichkeit der Dashboards spielt bei modernen BI-Lösungen eine Rolle. Alle Tools in diesem Vergleich ermöglichen es dem Anwender, Dashboards auf verschiedenen Wegen mit seinen Kollegen, Partnern und anderen Stakeholdern des Unternehmens zu teilen. Zum einen lassen sich Dashboards als PDF beziehungsweise Bilddatei exportieren und per E-Mail (bei Bedarf automatisch in regelmäßigen Abständen) versenden – ein Feature, das man nur bei Geckoboard missen muss.

Zum anderen können interaktive Dashboards einfach über einen (öffentlichen oder passwortgeschützten) Link mit anderen Usern geteilt werden. Der Dashboard-Admin behält dabei die volle Kontrolle darüber, welche Nutzer auf sein Dashboard zugreifen können. Dank Mobile-Support und Vollbildmodus machen die geteilten Dashboards aller Anbieter sowohl auf dem Desktop-PC als auch auf Smartphones, Tablets oder Fernsehgeräten eine gute Figur. Eine weitere praktische Sharing-Methode, die nur von Klipfolio und Datapine angeboten wird, besteht darin, das Dashboard als HTML-Snippet in beliebige Webseiten einbinden zu können. Das ist besonders dann praktisch, wenn man Wikis, Intranets, Social Enterprise-Plattformen oder ähnliche Unternehmensportale einsetzt.


Fazit

Das Angebot an Cloud-basierten Business-Intelligence-Lösungen für Startups und KMUs ist im Vergleich zu anderen SaaS-Segmenten wie etwa CRM oder Collaboration noch recht mager. Doch wie wir in diesem Beitrag gesehen haben, dürfte auf dem heutigen Cloud-BI-Markt für jeden etwas dabei sein. Wer es schlicht und einfach mag, ist bei Cyfe oder Geckoboard gut bedient. Beide Dienste ermöglichen die einfache und schnelle Integration zahlreicher Online-Services und punkten mit einer intuitiven Bedienung und einem schicken UI-Design. Unternehmen, die sich für eine dieser Lösungen entscheiden, müssen allerdings auf interaktive Data-Discovery-Tools verzichten.

Wer mehr Flexibilität benötigt, findet mit Datapine eine professionelle Alternative, die speziell für die Arbeit mit Datenbanksystemen optimiert ist und mit fortgeschrittenen Reporting-Funktionen punktet. Das beste Preis-Leistungsverhältnis scheint Klipfolio zu bieten. Bereits ab rund 22 Euro im Monat erhalten Unternehmen eine in der Praxis erprobte Lösung mit einem umfangreichen Featureset, das kaum Wünsche offen lässt. In Sachen Funktionalität kann nur Bime damit konkurrieren. Das Highend-Produkt wendet sich in erster Linie an datengetriebene Unternehmen, die hohe Anforderungen an ein BI-System stellen und sich maximale Flexibilität bei der Datenvisualisierung und -Analyse wünschen.