• Diego Wyllie

Diese Startups wollen die Zukunft der Zusammenarbeit neu gestalten

Team-Kommunikation, Projektmanagement und effiziente Zusammenarbeit jenseits des klassischen Büros: Im Folgenden stellen wir vielversprechende und ambitionierte Startups vor, die mit modernen Collaboration-Lösungen die Zukunft der Arbeit neu gestalten wollen.

Basecamp, Jira, Trello, Slack: Heute kann man sich kaum vorstellen, dass solche Cloud-Services, die mittlerweile von Millionen Anwendern auf der ganzen Welt täglich genutzt werden, einmal ganz klein angefangen haben. Das beste Beispiel dürfte vielleicht Atlassian sein. 2002 in Sydney vom Gründer-Duo Mike Cannon-Brooks und Scott Farquhar gegründet – mit einem Startkapital von gerade mal 10.000 Dollar – konnte sich das Unternehmen an die Weltspitze katapultieren. Im Dezember 2015 erfolgte der Börsengang an der Nasdaq unter dem Kürzel “TEAM”. Die Marktkapitalisierung betrug über 5,5 Milliarden Dollar.

Collaboration-Lösungen wie Jira oder HipChat, mit denen sich Atlassian in der Branche einen Namen machen konnte, sind gefragter denn je. Denn im Zuge der Digitalisierung wächst die Nachfrage nach passenden Tools, mit denen Unternehmen ihre Prozesse besser gestalten, reibungslos im Team kommunizieren und effizient zusammenarbeiten können, ständig weiter. Nach aktuellen Analysen der Experton Group wird der deutsche Markt für Social-Communication- und Collaboration-Lösungen in diesem Jahr von 662 Millionen im Vorjahr auf 872 Millionen Euro wachsen. Dies entspricht einem Zuwachs von rund 32 Prozent – eine Wachstumsrate, die derzeit in kaum einem anderen Segment des deutschen IT-Marktes erreicht wird, betonen die Analysten. Auch international wächst der Markt und gewinnt so an Attraktivität für potenzielle Anbieter.

Doch Startups, die in den Collaboration-Markt einsteigen, müssen sich auf heftige Konkurrenz einstellen. Wer von einem IPO wie dem von Atlassian träumt, muss sich heute nicht nur gegen Enterprise-Riesen wie Microsoft, Salesforce, IBM, Google und neuerdings sogar Facebook und Amazon behaupten, sondern auch gegen etablierte Collaboration-Anbieter wie Dropbox, Slack, Asana, Box, GitHub oder Trello, die Produkte entwickelt haben, die Anwender lieben. Der Konkurrenz- und Innovationsdruck ist enorm.


Teamleader: All-in-One-Plattform für KMU

In die zweite Kategorie fällt Teamleader. Das Startup wurde im Jahr 2012 in Belgien gegründet und konnte bis dato rund 15 Millionen Dollar Kapital einsammeln. Mit seiner umfangreichen All-in-One-Lösung arbeiten bereits über 5.000 kleine und mittelständische Unternehmen, so der Anbieter. Anders als die meisten Startups, die wir in diesem Beitrag vorstellen, verzichtet Teamleader auf den heute üblichen “Best of Breed”-Ansatz.

Mit der umfangreichen All-in-One-Lösung Teamleder arbeiten laut Anbieter bereits über 5.000 kleine und mittelständische Unternehmen.

Stattdessen hat das Startup eine leistungsfähige, umfassende Plattform für KMU geschaffen, die sie in die Lage versetzt, ihre Unternehmensprozesse zu digitalisieren. Mit verschiedenen Modulen für Kundenbeziehungsmanagement, Kalendar, Verkauf, Rechnungsstellung, Projektmanagement, Help-Desk und Support, Zeiterfassung und Telefonverkehr (VoIP) präsentiert sich Teamleader als eine Art moderne ERP-Software, aber ohne die Komplexität einer klassischen Lösung der Enterprise-Klasse. Darüber hinaus verfügt Teamleader bereits über einen eigenen Marketplace, in dem Kunden zahlreiche Apps und Integrationen finden, mit denen sie die Plattform weiter erweitern können. Damit konkurriert Teamleader mit etablierten Unternehmen wie Sage Software, das über ein breites Produktportfolio für Mittelständler verfügt, sowie mit weiteren, ähnlichen All-in-One-Lösungen wie dem Social-Intranet Bitrix24 oder den ERP- und CRM-Lösungen von Weclapp aus Marburg.


Stackfield: task management with end-to-end encryption

Ein weiteres Startup, das eine ganzheitliche Plattform bietet, ist Stackfield. Anders als Teamleader fokussiert sich der Münchener Anbieter auf Tools für effiziente Kommunikation und Zusammenarbeit, die KMUs zu mehr Produktivität verhelfen sollen. Die Besonderheit: Mit der implementierten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung soll sichergestellt werden, dass weder unbefugte Dritte noch der Hersteller selbst auf die Kundendaten zugreifen können. Damit versucht sich das Startup von der Masse der Konkurrenz abzuheben.

Stackfield wird in Deutschland entwickelt und gehostet.

Was die Funktionalität und Benutzererfahrung angeht, erinnert Stackfield stark an Social-Enterprise-Tools wie Yammer (von Microsoft) und Chatter (von Salesforce) und an moderne Task-Management-Lösungen wie Asana. So können Anwender spezifische Arbeitsbereiche – häufig “Workspaces” genannt, in diesem Fall “Stacks” – anlegen und dort Projekte, Aufgaben, Dokumente, Termine, Notizen und so weiter zentral verwalten. Dabei spielt die reibungslose Kommunikation unter den Teammitgliedern eine zentrale Rolle. So stellt Stackfield nützliche Features wie Kommentare, Aktivitäts-Streams und Notifications zur Verfügung, mit denen jeder stets auf dem Laufenden bleiben kann. Im Gegensatz zu den allermeisten Lösungen in diesem Beitrag, steht Stackfield sowohl On-Demand als auch On-Premise zur Verfügung. Die Cloud-Version kostet ab 24 Euro pro Monat für 10 User (bei jährlicher Zahlung). Die Preise für die lokale Server-Variante fangen bei knapp 800 Euro (einmalig).


Honey und Convo: Social-Intranets für die Cloud-Ära

Wenn es um moderne soziale Intranets beziehungsweise “Social Enterprise Networks” geht, denken viele Unternehmensanwender immer noch an SharePoint. Im Jahr 2011, zehn Jahre nach dem ersten Release und auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit, wurde die Microsoft-Lösung von rund 80 Prozent der Fortune 500-Unternehmen eingesetzt. Doch inzwischen gibt es zahlreiche moderne Alternativen.

Sie versprechen, wesentlich benutzerfreundlicher und kostengünstiger zu sein als die etablierte Lösung aus Redmond. Hierzu zählen zum Beispiel Honey aus New York und Convo aus dem Sillicon Valley. Beide Startups wurden im Jahr 2012 gestartet und richten sich an Unternehmen, die an einen einfachen Einstieg in die Welt der Business-Collaboration-Software interessiert sind. Zu den zentralen Features beider Produkte zählen Mitarbeiter-Profile, Activity Streams, File Sharing, Team-Chat. Hinzu kommen weitere Features wie Folgen, Like und @-Erwähnungen, die man aus Facebook, Twitter und Co. kennt.


Effiziente Team-Kommunikation

Das Thema Team-Kommunikation ist in der heutigen Arbeitswelt kritischer denn je. Denn die Zeiten als das ganze Team gemeinsam im Büro von acht bis fünf zusammenarbeitete sind längst vorbei. Remote Teams, die über mehrere Zeitzonen und Kontinente hinweg verteilt sind, sind längst keine Seltenheit mehr. Vor diesem Hintergrund gewinnen Online-Services, die die interne Team-Kommunikation verbessern, zunehmend an Bedeutung. Das Paradebeispiel hier ist natürlich Slack. Kaum ein anderes Startup im B2B-Bereich konnte so schnell wachsen wie das von Flickr-Cofounder Stewart Butterfield in San Francisco gegründete Unternehmen. Doch inzwischen gibt es unzählige Slack-Alternativen. HipChat von Atlassian zum Beispiel ist ebenfalls sehr weit verbreitet. Und das Release von Microsoft Teams war eine direkte Kampfansage an Slack.


Grape: Slack-Alternative aus Wien

Neben diesen großen Playern gibt es natürlich viele Startups, die mit ähnlichen Business-Chat-Lösungen ihr Glück in diesem hart umkämpften Segment versuchen. So zum Beispiel Grape aus Wien. Vermarktet wird der Slack-Clone als “der weltweit erste Projekt-Messenger”. Anwender können miteinander chatten und ihre Business-Apps mit Grape verbinden, um automatisch alle Aktivitäten und Notifications rund um ihre Geschäftsprozesse direkt in ihren Kommunikationen zu verfolgen. Grape wartet jedoch mit einigen nützlichen Extras auf. So fasst die Anwendung zum Beispiel Konversationen zusammen und automatisiert Arbeitsabläufe durch Natural Language Processing. Unternehmen, die ihre gesamte interne Kommunikation nicht so gerne in die Cloud auslagern möchten, können Grape On-Premise nutzen. Ob das allerdings ausreicht, um sich gegen Slack, Microsoft Teams, HipChat und Co. zu behaupten, ist allerdings fraglich.


Front: Eine Inbox für das ganze Team

Während die gute, alte E-Mail in der internen Unternehmenskommunikation als Produktivitätskiller Nummer angesehen wird, ist sie in der externen Kommunikation mit Interessanten, Kunden und Partnern, nach wie vor unverzichtbar. Hier kommt der Cloud-Dienst Front ins Spiel. Seit seiner Gründung im Jahr 2013 konnte sich das Startup aus Frankreich rund 13 Millionen Euro für seine internationale Expansion sichern. Und das von renommierten VCs und Business Angels wie etwa Point Nine Capital aus Berlin, Slack-Gründer Stewart Butterfield und dem Startup-Inkubator Y Combinator.

Front fokussiert sich auf die externe Kommunikation mit Kunden, Partnern und Interessenten.

Front wurde zudem in der diesjährigen “Cloud 100”-Liste von Forbes, die die erfolgreichsten Cloud-Anbieter weltweit auswählt, als “Rising Star” ausgezeichnet. Die Lösung versetzt Unternehmen in die Lage, die externe Kommunikation mit ihren Kunden zu optimieren. So können sie verschiedene E-Mail-Adressen wie [email protected], [email protected] und [email protected], sowie weitere Kommunikationskanäle wie SMS, Twitter, LinkedIn und Telefon zentral auf einer einzigen Plattform verwalten. Dabei setzt Front auf eine hohe Usability und leistungsfähige Werkzeuge, die die kollaborative Bearbeitung von Kundenanfragen im Team ermöglichen.


Modernes Projektmanagement

Neben Team-Kommunikation und effizienter Zusammenarbeit spielt das Thema Projekt- und Aufgabenmanagement auf dem Collaboration-Markt nach wie vor eine zentrale Rolle. Die Zeiten als nur die IT-Abteilung Projektmanagement-Lösungen nutzte sind längst vorbei. Selbst extrem einfache To-Do-Apps wie etwa Wunderlist oder Todoist haben sich im Business-Umfeld – insbesondere bei Produkt- und Marketing-Teams – längst etabliert. Kein Wunder also, dass es immer mehr Startups gibt, die Basecamp, Asana, Jira, Trello und Co. den Kampf ansagen.

Die Angebotspalette ist extrem vielfältig. Jede Fachabteilung im Unternehmen, egal ob Design, Entwicklung, Produktmanagement oder Marketing, findet auf dem heutigen Markt verschiedene Alternativen, die genau auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet sind. Mit Productboard bietet sich zum Beispiel ein modernes PM-Tool, das speziell für Produktmanager konzipiert ist. Zube aus San Francisco richtet sich an Startups und bringt die Produkt-, Entwicklung, Marketing- und Support-Teams alle unter einen Hut.


Monday

Monday zählt zu den am schnellsten wachsenden Startups in diesem Segment. Seit seiner Gründung im Jahr 2012 in Tel Aviv konnte sich das Unternehmen bis dato rund 34 Millionen Dollar Kapital sichern. Nach Angaben des Anbieters arbeiten heute über 10.000 Teams mit seiner Lösung, darunter internationale Konzerne wie Samsung und Adidas sowie Top-Startups wie Uber und der Co-Working-Spezialist WeWork. In puncto Funktionalität erinnert Monday stark an Trello, den populären Online-Service für visuelles Projektmanagement, der Anfang des Jahres durch Atlassian für circa 425 Millionen Dollar übernommen wurde.

Monday konkurriert mit Trello, Asana und Basecamp.

So spielen Project Boards bei Monday ebenfalls eine zentrale Rolle. Anders als Trello fokussierte sich Monday jedoch von Anfang an ausschließlich auf Business-Teams. Eine Freemium-Version gibt es hier nicht. Im Vergleich zu Trello und Co. punktet Monday mit weiterführenden Features, die sehr gut umgesetzt sind, so zum Beispiel die Projekt-Timelines. Diese funktionieren ähnlich wie die klassischen Gantt-Diagramme und helfen dem Management, die Aufgaben aller Projektmitglieder effizient zu planen und zu visualisieren. Ansonsten bietet die Lösung die typischen Werkzeuge rund um Produktivität, Kommunikation, Projektplanung und -Analyse, die man heute von einer modernen Projektmanagement-Software erwarten kann.


GitLab: Collaboration für Softwareentwickler

Ein weiteres Collaboration-Startup, das auf starkem Wachstumskurs ist, ist GitLab. Binnen nur drei Jahren nach seinem Start konnte das Unternehmen aus Holland bis dato rund 25 Millionen Euro Risikokapital von Top-Investoren wie 500 Startups, Khosla Ventures und Hollywood-Start Ashton Kutcher einsammeln. Doch nicht nur Geldgeber glauben an GitLab. Sowohl namhafte Konzerne wie Bayer, Sony oder Siemens als auch kleine und mittlere Unternehmen setzen die Lösung bereits produktiv ein. Insgesamt sollen nach Unternehmensangaben über 100.000 Organisationen GitLab einsetzen.

Wie der Name schon erahnen lässt, konkurriert die Software direkt mit GitHub und ähnlichen Collaboration-Lösungen für Softwareentwickler wie BitBucket von Atlassian. Mit Code Hosting, Version Control, Issue Tracking, Projektmanagement und Code Reviews deckt GitLab alle zentralen Aspekte der effizienten Zusammenarbeit von Software-Teams optimal ab.

Den Unterschied gegenüber den führenden Tools macht die Lösung mit der nahtlosen Integration von modernen DevOps-Tools rund um Continuous Delivery and Integration. Somit werden Entwickler in die Lage versetzt, während des gesamten Entwicklungsprozesses zentral auf einer einzigen Plattform kollaborativ zusammenzuarbeiten: Von der Idee und dem ersten Prototyp bis hin zum automatisierten Deployment von Updates in Produktion. GitLab basiert auf Open-Source-Software und wird im Freemium-Model angeboten. Zudem können Unternehmen selbst entscheiden, ob sie die Lösung lokal installieren oder in der Public Cloud nutzen. Weitere interessante Startups, die sich gezielt an Software-Entwickler wenden, sind Taiga, ZenHub und Swip.


Fazit

Der Collaboration-Markt boomt. Die Art und Weise wie wir zusammenarbeiten ist durch den Einfluss neuer Technologien und gesellschaftlicher Trends ständig im Wandel.  Gleichzeitig zwingt die unaufhaltsame Digitalisierung der Wirtschaft und der damit einhergehende Wettbewerbsdruck Unternehmen immer mehr dazu, ihre Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten und ihre Produktivität zu erhöhen. Das zieht immer mehr Startups an, die mit modernen Lösungsansätzen und innovativen Produkten versuchen, eine kleine Nische zu finden und zu erobern. Nur so können sie sich gegen die vielen IT-Riesen und etablierte Anbieter behaupten, die auf dem Collaboration-Markt den Ton angeben. Schnell wachsende Startups wie GitLab, Front, Monday oder Teamleder sind mit dieser Strategie heute schon erfolgreich. Und auch wenn der Konkurrenzdruck auf dem Business-Collaboration-Markt enorm und die Erfolgsaussichten eher gering sind: Die Erfolgsgeschichte von Atlassian zeigt, dass nichts unmöglich ist.