• Diego Wyllie

Die Zukunft der Arbeit: Wie arbeiten wir in 10 Jahren zusammen?

Die Arbeitswelt wird in zehn Jahren ganz anders aussehen als heute – davon sind Zukunftsforscher und Arbeitsmarktexperte überzeugt. Von Automatisierung und künstlicher Intelligenz über virtuelle Realität bis hin zum hochvernetzten, zentralen Digital Workplace: Im Folgenden eine Vorstellung bahnbrechender Technologie-Treiber, die die Zusammenarbeit der Zukunft maßgeblich beeinflussen werden.


3D-Drucker bauen ganze Häuser. Roboter produzieren selbstständig Waren. Repetitive Aufgaben wie etwa in der Buchhaltung werden dank intelligenter Software immer weiter automatisiert. Solche Anwendungsszenarien sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Aktuelle Software-Innovationen haben immer wieder gezeigt, dass Maschinen inzwischen nicht nur manuelle, monotone Arbeit übernehmen können. Computer sind immer mehr in der Lage, Brainpower zu ersetzen. Sie können inzwischen Dinge und Fähigkeiten selbständig erlernen, für die man früher einen denkenden Menschen brauchte.


Die Folge: Computer und Roboter vernichten am laufenden Band Jobs. Nach Auffassung von Microsoft-Gründer Bill Gates und Tesla- und Space X-Chef Elon Musk werden immer leistungsfähigere Computer und intelligente Roboter menschliche Arbeitsplätze zunehmend verdrängen, ohne dass neue Arbeit für sie in gleichem Maße entsteht. Ob intelligente Maschinen in Zukunft die Kontrolle übernehmen und Menschen aus den Fabriken und Großstadtbüros vertreiben werden oder auch nicht. Fakt ist: Bei der Arbeit wird der Mensch zukünftig nicht mehr das Maß aller Dinge sein. Wir befinden uns an der Schwelle zu einer neuen Ära, in der wir immer häufiger mit immer smarteren Maschinen konfrontiert sein werden, die nicht nur eigenständig lernen, sondern auch selbständig denken können.

Automatisierung

Als wichtigster Trend unserer Zeit hat die Digitalisierung die Arbeitswelt bereits radikal verändert. Zunächst der PC, dann das Internet, später die Cloud und die sozialen Netzwerke, vor rund zehn Jahren das Smartphone, dann die intelligente Uhr und andere “Wearables”, neuerdings vernetzte Alltagsgeräte (Internet of Things) und künstliche Intelligenz. Mit jeder dieser bahnbrechenden Innovation ändert sich die Art und Weise wie wir zusammenarbeiten grundlegend.


Doch die Digitalisierung, wie wir sie heute begreifen, ist gerade erst der Anfang. In den nächsten zehn Jahren wird Automatisierung eine zentrale Rolle im privaten und geschäftlichen Umfeld spielen. Das beste Beispiel sind selbstfahrende Autos, die bereits seit Jahren auf öffentlichen Strassen autonom fahren und in laut aktuellen Prognosen in zehn Jahren Standard sein werden. Die Automatisierung von Produktions- und Geschäftsprozessen wird sich aber überall und in jeder Branche immer weiter durchsetzen – nicht zuletzt in der klassischen Büroarbeit. Wie das Magazin Wired berichtete, könnten laut einer Studie des Beratungsunternehmens PwC bis 2030 mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze in Deutschland durch Automatisierung wegfallen. Eine weitere Studie, diesmal von der Universität Oxford, kommt zu einem ähnlichen Schluss: Bis 2030 könnten in den USA gut 47 Prozent aller Arbeitsplätze der Automatisierung zum Opfer fallen.

Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz

Die Automatisierung wird in erster Linie von den Entwicklungen im Bereich maschinelles Lernen und künstlicher Intelligenz vorangetrieben. Dank der heute zur Verfügung stehenden Rechenleistung und Storage-Kapazität in der Cloud und einer schier endlosen Menge an Daten, die Menschen und Maschinen generieren und aus denen Computer selbst lernen können, wird Software immer intelligenter. Digitale Assistenten wie Siri (Apple), Cortana (Microsoft) und Alexa (Amazon) sind für viele Anwender bereits heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. In den nächsten zehn Jahren werden solche Lösungen immer mehr Aufgaben selbständig übernehmen und in Business-Lösungen integriert sein. Der Cloud-Riese Salesforce mit seiner neuen KI-Lösung für Unternehmen Einstein und IBM mit Watson zeigen schon heute, dass das Potenzial enorm ist.

Das Internet der Dinge

Mit Machine Learning werden Unternehmen auch in der Lage sein, die stetig steigende Datenflut in einen Strom an Einblicken verwandeln zu können. Denn in unserer zunehmend vernetzten Welt trägt jede digitale Interaktion zu einer ständig steigenden Flut an Daten bei. Seit Beginn des Internet of Things (IoT) erzeugen selbst Autos, Kühlschränke, Sensoren und sogar Textilien täglich millionenfach Daten. All diese Informationen können Unternehmen dank intelligenter Business-Analytics-Lösungen nutzen, um zum Beispiel Marketingaktionen genauer auf Kunden abzustimmen, einen personalisierten Kundenservice zu bieten oder zuverlässigere Geschäftsprognosen zu erarbeiten.

Virtuelle und erweiterte Realität

Neben Automatisierung, künstlicher Intelligenz und vernetzten Gräten zählen virtuelle und erweiterte Realität zu den wichtigsten Technologie-Treibern, die die Zukunft der Arbeit in den nächsten zehn Jahren bestimmen sollen. Viele Forscher sind überzeugt, dass die Technologie bereits an dem Punkt angelangt ist, an dem das Internet vor gut 30 Jahren und das Smartphone vor zehn Jahren standen: An der Schwelle zur Massentauglichkeit.  Microsoft und Facebook versuchen mit ihren neuen VR-Produkten (HoloLense beziehungsweise Oculus) zu beweisen, dass Virtual Reality schon bald Teil unseres täglichen Lebens sein wird. Nach Einschätzung von Marc Zuckerberg sei virtuelle Realität ein guter Kandidat, um die nächste große Computerplattform zu werden. In fünf bis zehn Jahren soll es schon so weit sein, so der Facebook-Gründer. Laut einer aktuellen Studie von Dell geht gut die Hälfte der befragten Mitarbeiter davon aus, dass VR-Technologien Online Meetings zukünftig produktiver gestalten könnten. Besonders aufgeschlossen ist die Generation der Millennials: 77 Prozent der zwischen 1980 und 1999 geborenen Mitarbeiter sind schon heute dazu bereit, sich auf die neuen Kommunikationswege einzulassen.

Digital Workplace als zentrale Arbeitsumgebung

Dadurch werden räumliche und zeitliche Barrieren immer weiter verschwinden. In Ländern wie die USA oder Großbritannien weichen bereits seit Jahren Präsenzpflicht und Dienst nach Vorschrift immer öfter einem selbstständigeren, flexiblen Arbeiten. Anstatt also zu bestimmten Zeiten im Büro zu sein und eine festgelegte Anzahl an Wochenstunden zu erfül­len wird es mehr und mehr darum gehen, Aufgaben und Projekte in Eigenregie zu erledigen. Der “Digital Workplace” als zentralisierte, vernetzte und jederzeit und überall verfügbare Arbeitsumgebung wird dabei eine kritische Rolle spielen. Mitarbeiter kommunizieren auf einer einzelnen Plattform und finden hier alle Geschäftsdokumente und Informationen, die sie für die Arbeit benötigen. Die Zeiten als man lange suchen oder zwischen vielen Programmen wechseln mussten, um das dringend benötigte Dokument zu finden sind längst vorbei.

Fazit

Der „Arbeitsplatz der Zukunft“ wird heute in vielen Unternehmen bereits gelebt. Mobiles Arbeiten von überall her, produktive Zusammenarbeit im Team über zeitliche und örtliche Grenzen hinweg, steigende Flexibilität bezüglich Arbeitszeit und -Ort. Das ist für viele Mitarbeiter weltweit längst Realität. Aktuelle Trends wie Automatisierung, virtuelle und erweiterte Realität, Internet of Things, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz werden diese Entwicklung weiter beschleunigen und Unternehmen und Mitarbeiter zu immer mehr Flexibilität, Effizienz und Produktivität verhelfen. Der hochvernetzte, zentrale Digital Workplace, in dem sämtliche Interaktionen und geschäftsrelevante Daten zusammengeführt werden, egal ob sie von Menschen oder Maschinen erzeugt werden, wird dabei eine kritische Rolle spielen.